Mono Ellipse

Es war mitten im Pazifik, als Tassilo von Grolman 1965 die wichtigste Designlektion überhaupt lernte. Als Maschinenbau-Student, der für ein Jahr auf einem Schiff angeheuert hatte, sollte er eine schwierige Reparatur durchführen: «Als ich Zweifel über die Machbarkeit äußerte, sagte mein Chef "geht nicht, gibt’s nicht bei der Seefahrt".» Die Reparatur klappte, das Schiff lief heil in Sydney ein, und von Grolman war vom Virus der Hartnäckigkeit infiziert. Ohne den wären wohl viele seiner Entwürfe, vor allem aber der für die Teekanne «ellipse» niemals umgesetzt worden.

2004 beauftragte das Mettmanner Unternehmen Mono von Grolman, eine neue Teekanne zu gestalten. Er wollte nicht auf bewährte Formen zurückgreifen und wählte deswegen eine asymmetrische Lösung – oben rund, unten ellipsenförmig. Wie sich bald herausstellen sollte, hatte die Sache allerdings einen Haken. Aus hitzebeständigem Borosilikatglas war noch nie eine asymmetrische Form hergestellt worden.

Technisch ging das einfach nicht. «Ein Hersteller, den ich damals deswegen ansprach, lachte mich aus», erinnert sich der Designer. Er aber dachte, geht nicht, gibt’s nicht. Der Zufall kam ihm zu Hilfe: Mitarbeiter der Mainzer DuranGlas-Gruppe besuchten mono, sahen den Grolmanschen Entwurf und sagten, dass sie da mal rangehen würden. Dann dauerte es. 2009 war das erste Modell fertig. Das war noch nicht perfekt, die Oberfläche war nicht klar und mit Schlieren überzogen. Aber die DuranGlas-Mannschaft ließ nicht locker, experimentierte weiter und legte nach einigen Monaten eine einwandfreie Version vor. «Man muss hartnäckig sein», leitet von Grolman aus der «ellipse»- Geschichte einen Designleitsatz ab, «und dann muss man kreativ sein, um sein Ziel zu erreichen.» Dann entstehen auch Dinge, die eigentlich nicht gehen.

Sabine Stenzel, Redaktion Stil & Markt

  
  

BANK "HOKAIDO" - Hommage an Sori Yanagi

global:local ist eine im Bereich Möbel angesiedelte bilaterale Kooperation von deutschen und japanischen Gestaltern. Das Projekt bringt nicht nur Deutschland und Japan in Dialog, sondern auch unterschiedliche Disziplinen aus den Bereichen Design und Handwerk. Die Entwürfe wurden durch japanische Manufakturen aus der Kompetenzregion Asahikawa in einzigartiger Weise umgesetzt. Schirmherren sind Asahikawa Furniture Cooperative, der Deutsche Designer Club sowie als Hauptsponsoren die Internationale Möbelmesse Köln, Hansen Werbetechnik und Conde House.

Vorbild für das Design war der “Butterfly” Stuhl von Sori Yanagi. Nach seiner Philosophie “Einfach ist am schwersten” war das auch das Motto, nach dem Tassilo von Grolman diese Bank entwickelte, die so einfach aussieht, aber enorme Schwierigkeiten bei der Herstellung bereitet.

1. Die Bank kann man sicher in einem Arbeitsgang drücken. Nur fand man auf Hokaido keine so große Maschine, die zwei Meter Bugholz aufnimmt und sie in einem oder mehreren Arbeitsgängen fertigt. So mussten erst die zwei Wangen gedrückt und dann das Mittelteil dazwischen eingesetzt werden.
2. Die hohe handwerkliche Fähigkeit der japanischen Möbelgenossenschaft aus Asahikawa war gefragt, die das Kunststück fertig brachten.
3. Die beiden Wangen sind nach innen gebogen, und das Mittelteil ebenfalls, damit es einen komfortablen Sitzplatz ermöglicht. Gleichzeitig ergeben die gegenläufigen Biegungen eine hohe Stabilität. Trotzdem hatte man sich noch für eine Verstärkungsrippe entschlossen, um auch ein hohes Sitzgewicht zu gewährleisten. Zwei Sumo-Ringer haben dort Platz, ohne dass die Bank unter der Last zusammen bricht! Einfach ist also nicht nur am schwersten.
Bei der Hokaido-Bank ist einfach auch am schönsten.